Die Lichtfarben

Unsere Vorfahren im natürlichen Tageslicht

Unsere Vorfahren am abendlichen Feuer

Neben der Lichthelligkeit tritt die Lichtfärbung am deutlichsten unter den Eigenschaften hervor. Glühlampenlicht wird als wärmer empfunden als beispielsweise das Tageslicht eines wolkenbedeckten Himmels. Je stärker das Lichtspektrum ins rötliche verschoben ist, desto wärmer, wohliger und beruhigender wirkt es auf uns. Ein solches Licht ist ideal, um am Abend auf den Schlaf vorzubereiten. Am Tage jedoch würde es uns schläfrig und unaufmerksam machen. Als aktivierend und „erhellend“ dagegen wird ein Licht empfunden, dessen Spektrum mehr bläuliche und geringere rötliche Anteile besitzt.Leuchtstoffröhrenlampen bieten in der Regel zwar mehr bläuliche Lichtanteile, aber sie bringen in ihrer herkömmlichen Form den oben beschriebenen Mangel eines unvollständigen Farbspektrums mit sich.

Periodische Lichtveränderungen Wagen wir nun eine kleine Zeitreise ein paar zehntausende Jahre zurück. Stellen wir uns unsere menschlichen Vorfahren vor, von denen wir den größten Teil unserer genetischen Eigenschaften geerbt haben. Am Morgen wird eine Sippe dieser Urmenschen, die noch völlig in der Natur verwurzelt ist, von 
einem Silberstreif am Horizont geweckt. Langsam erwacht auch das Leben der Natur zur morgendlichen Aktivität. Die Urmenschen verlassen mit der Morgenröte ihren Unterschlupf und verbringen den gesamten Tag im Freien, dabei gibt ihnen das natürliche Licht viel Lebensenergie. Ihre Nahrungssuche beenden sie erst gegen Abend mit dem Hereinbrechen der Abendröte. Nach einem körperlich anstrengenden Tag kehren sie müde zurück, um zur Nahrungsaufnahme noch eine Zeit am Feuer - ihrer größten Errungenschaft - zu verweilen. Dessen Wärme und das rötliche, sanft flackernde Licht macht sie müde. Vielleicht sehen sie beruhigt das Feuer bekannter Sippen in der Nähe, die ihnen im Notfall beistehen würden und legen sich schlafen (Abb. 2 und 3). Wahrscheinlich neigen wir deshalb heute noch dazu, uns am Abend mit mehreren warmen Lichtquellen zu umgeben. Dem durch den Tageslauf der Sonne bestimmten Rhythmus haben sich die Menschen und ihre urzeitlichen Vorfahren über ca. 6 Millionen Jahre angepasst. Auch die Augen, der Stoffwechsel und das Wohlbefinden der Menschen haben sich auf das intensive Licht der Sonne eingestellt. Rund 800.000 Jahre hatten sie Zeit, sich auch an ihre Errungenschaft des Feuers zu gewöhnen, das ihnen stets Wärme und etwas Licht vor dem Schlafen schenkte. Aber erst ca. 150 Jahre sind die neuzeitlichen Menschen der Erfindung des künstlichen, elektrischen Lichts ausgesetzt. Im evolutionären Sinne ist dies nur ein kaum wahrnehmbarer, kurzer Zeitraum.

Unser Körper hat sich auf diese enorme Umwälzung des Lebensrhythmus immer noch nicht eingestellt. Eigentlich brauchen wir immer noch den sanften Übergang von einer tief stehenden und langsam aufdimmenden Lichtquelle am Morgen zu einem aktivierend hellen Tageslicht am Mittag. Genauso wie wir den sanften Übergang von einer hochstehenden hellen Lichtquelle zu einer vom Boden her scheinenden sanft flackernden, rötlich-warmen Lichtquelle am Abend brauchen. Es gibt durchaus schon erste sinnvolle Lösungen für diese lichtgestalterische Herausforderung. So gibt es z.B. die „Day & Night“ Technik, eine Kombination aus warmem Licht für die Dämmerungszeit und speziellem, dem natürlichen Sonnenlicht nachempfundenen Vollspektrumlicht für die Aktivität des Tages. Durch diese Technik ist es möglich, auf die Chronobiologie – d. h. die Leistungsfähigkeit eines Individuums in Abhängigkeit von der

Tages- und Jahreszeit - besser einzugehen. Auch die Unterrichtsplanung selbst sollte sich dieser Erkenntnisse bedienen. Es zeigt sich beispielsweise, dass die Aufnahmefähigkeit der Schüler zwischen 10 und 12 Uhr am höchsten ist.  In einigen Schulen wird daher schon versucht, durch einen späteren Schulanfang diesem Umstand Rechnung zu tragen.

                                                
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