Die Raumgesundheit

Freiburger Studie: Aggressionen und Beleidigungen von Schülern belasten Lehrer in ihrem Beruf am meisten Zwar ist die Frühverrentungs-Quote für Lehrer/innen, die in den 90er Jahren einmal bei 50 Prozent lag, jetzt zurück gegangen auf etwa 30 Prozent. Gleichwohl liegt sie damit immer noch erheblich über den Werten für andere Berufsgruppen und dokumentiert ein hohes Maß an psychischen und physischen Belastungen im Lehrerberuf. Auch andere Studien haben schon festgestellt, dass Lehrer ein Stress-Beruf ist. Mediziner der Freiburger Universitätsklinik haben jetzt aber erstmals analysiert, welche Faktoren es eigentlich sind, die schulische Lehrkräfte krank machen. Die Ergebnisse der Untersuchung wurden jetzt online vorab veröffentlicht in der Zeitschrift "International Archives of Occupational and Environmental Health".
Die Studie war Teil eines übergeordneten Projektes zur Gesundheitsförderung für Lehrer/innen, innerhalb dessen auch ein Manual zum unterstützenden Coaching für Lehrer entwickelt wurde. Unterstützt wurde die Studie von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, Berlin.

Etwa 950 Lehrer an südbadischen Hauptschulen und Gymnasien wurden ausführlich befragt über ihre Arbeitsbedingungen: Stressfaktoren und Belastungen, aber auch Erfahrungen, die sie positiv stimmen. Offene Feindseligkeit, schwere Beleidigungen und Aggressivität, denen Lehrer/innen im Klassenzimmer von Schülerseite ausgesetzt sind, erwiesen sich als die stärksten Stress-Faktoren. Dabei wurde eine Reihe weiterer Einflussbedingungen (Alter, Geschlecht, familiäre Situation des Lehrers usw.) statistisch kontrolliert. Auch eine von Seiten der Eltern erlebte Aggressivität und Unzufriedenheit hatte einen signifikanten negativen Einfluss. Besonders dramatisch scheint die Situation an Hauptschulen zu sein, stellten die Freiburger Forscher fest: Dort erleben innerhalb eines Jahres mehr als 53% der Lehrkräfte, dass sie im Unterricht von Schülern schwer beleidigt oder aggressiv "angemacht" werden.

Die Freiburger Mediziner analysierten auch, welche Faktoren einen protektiven Effekt auf die Lehrergesundheit haben. Hier zeigte sich: Vor allem positive Rückmeldungen von Schülern oder Eltern, aber auch die gegenseitige Unterstützung, die sich Lehrkräfte innerhalb des Kollegiums einer Schule geben, sind von Bedeutung. Weibliche Lehrkräfte bleiben vor allem dann gesund, wenn das Klima im Kollegium gut ist, männliche Lehrkräfte profitieren vor allem davon, dass sie vonseiten ihrer Schulleitung Unterstützung erleben. Der Studienleiter Joachim Bauer kritisierte, dass alle derzeit von einigen Kultusministerien durchgeführte Untersuchungen zur gesundheitlichen Situation von Lehrerinnen und Lehrern das Thema der im Unterricht erlebten Aggressivität und

Gewalt ausklammern. "Alle Standard-Fragebögen, mit denen derzeit an vielen Orten die gesundheitlichen Belastungen im Lehrerberuf erfasst werden, machen um das Thema eine große Kurve", so Bauer. "Unsere Untersuchung zeigt, dass Initiativen in Sachen Lehrergesundheit, die das Aggressions- und Gewaltpotenzial an Schulen nicht berücksichtigen, den wichtigsten Punkt außer Acht lassen, der Lehrer krank macht".

• Hier ist ein Abstract der Studie aus der Zeitschrift "International Archives of Occupational and Environmental Health": Hier ist die Veröffentlichung im Volltext als PDF-Datei: (Website der Universität Freiburg)

Gerd Marstedt, 11.7.2008

                                                
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